Impfen schützt

Impfungen aktivieren die eigene Abwehrreaktion und schützen vor Komplikationen der Erkrankung. Wie funktioniert ein Impfstoff und warum ist impfen vorteilhaft? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt der erfahrene Kinderarzt Dr. Marco Belvedere.





Dr. Marco Belvedere, Kinderarzt, Zürich

Was bringt eine Impfung?
Dr. Marco Belvedere: Seit der Einführung von Impfungen sind Todesfälle wegen schwerwiegender Erkrankungen sowie Komplikationen bei Krankheiten zurückgegangen. Bei den Krankheiten, gegen die man heute routinemässig impft, soll der Schaden, den diese Erkrankungen anrichten können, verhindert werden. Mit einer Impfung trainiert man die eigene Körperabwehr – das Immunsystem –, damit der Körper bei einem Kontakt mit dem Krankheitserreger nicht überrumpelt wird. Die erste verfügbare Impfung war diejenige gegen Pocken. Die Ausrottung der Kinderlähmung in der Schweiz haben wir ebenfalls der Impfung zu verdanken.

Was passiert im Körper bei einer Impfung und welche Vorteile bietet sie?
Impfungen bestehen entweder aus abgeschwächten lebenden Keimen (Lebendimpfstoffe) oder aus Partikeln von abgetöteten Keimen (Totimpfstoffe). Bei einer Impfung aktiviert der Körper die eigene Abwehr und baut seine Gedächtnisfunktion aus. Dank der Impfung erkennt der Körper den Erreger rasch und bekämpft ihn, sodass dieser im Idealfall gar keine Krankheit auslösen kann und die gefürchteten Komplikationen gar nicht erst entstehen. Jahrelange weltweite Erfahrung hat gezeigt, dass Impfungen wirksam und sicher sind.

Ab dem zweiten Lebensmonat
beginnt man mit den Basisimpfungen
 

Warum ist es wichtig, bereits Kleinkinder zu impfen?
Der schweizerische Impfplan ist an unsere Gegebenheiten in der Schweiz angepasst. Die Basisimpfungen sind für die Gesundheit jedes Einzelnen wichtig und bewirken zudem einen Schutz für die Bevölkerung. Meist braucht es mehrere Impfdosen in festgelegten Abständen. Geimpft wird ab dem zweiten Lebensmonat, weil dann der von der Mutter auf das Kind übertragene Schutz abnimmt. Durch die Impfung wird das Immunsystem des Kindes – der körpereigene Schutz – angekurbelt. Es macht also wenig Sinn, die Impfung auf später zu verschieben.

Welche Bedeutung haben Impfungen für Erwachsene?
Gewisse Impfungen bieten keinen lebenslangen Schutz, weshalb sie in regelmässigen Abständen zu erneuern sind. Es gilt der Grundsatz, dass jede dokumentierte Impfung zählt. Das heisst, es lohnt sich immer – auch in späteren Jahren – verpasste oder unvollständige Impfungen nachzuholen. Wenn man nicht weiss, ob man geimpft ist, erhält man die Impfungen so, wie wenn man noch nie geimpft wurde.
Wichtig ist mir, darauf hinzuweisen, dass man sich vor Reisen informieren sollte, welche Impfungen angezeigt sind. So vermeidet man Erkrankungen mit einem hohen Risiko, gegen die man sich mit einer Impfung wirksam hätte schützen können.

Welche Nebenwirkungen können nach Impfungen auftreten und wann sollte man nicht impfen?
Nach einer Impfung kann es zu lokalen Impfreaktionen kommen wie Schmerzen, Schwellung und Rötung an der Impfstelle. Doch diese nimmt man in Kauf, weil sie weit weniger schlimm sind als die Folgen der Krankheit selbst. In ganz seltenen Fällen können unerwartete, heftige Impfkomplikationen auftreten, bedingt durch eine Allergie auf Inhaltsstoffe, beispielsweise Eiweisse.
Nicht impfen sollte man bei hohem Fieber, wegen eines akuten Infektes oder einer bekannten Allergie gegen Inhaltsstoffe der Impfung. Liegt eine Immunschwäche oder eine Schwangerschaft vor, ist bei Impfungen mit einem Lebendimpfstoff mit dem Arzt eine Nutzen-Risiko-Abklärung vorzunehmen.

Welche Argumente gegen eine Impfung begegnen Ihnen in Ihrer Praxis am häufigsten und wie gehen Sie darauf ein?
Oft glauben Eltern, Impfungen gegen Kinderkrankheiten seien nicht nötig. Doch es geht nicht um die Krankheit als solche. Vielmehr will man mit der Impfung die Komplikationen, die mitunter schwer sein können, verhindern. Manchmal denken Eltern, ihr Baby sei noch zu jung. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Man sollte Kleinkinder dann impfen, wenn der Mutterschutz nachlässt. Oft wird befürchtet, die Impfung belaste das Immunsystem. Das ist richtig, doch die Gefahr, dass etwas passiert, ist bei den zugelassenen Impfstoffen viel geringer, als wenn das Kind erkrankt.

Tipp aus der Apotheke

Tipps rund ums Impfen

  • Zu den empfohlenen Impfungen gemäss Schweizerischem Impfplan gehören: Diphterie, Starrkrampf, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae, Masern, Mumps, Röteln, Pneumokokken, Meningokokken, Hepatitis B und humane Papillomaviren. In ausgewählten Fällen auch gegen Windpocken. Ausführliche Informationen finden Sie unter: www.ekif.ch
  • Impfungen müssen von Zeit zu Zeit aufgefrischt werden, zum Beispiel Impfung gegen Diphterie und Starrkrampf bei Erwachsenen alle zehn Jahre.
  • Halten Sie Ihren Impfausweis auf dem neuesten Stand.
  • Vor Reiseantritt empfiehlt sich eine Impfberatung (siehe auch www.safetravel.ch).

Alexandra Werder


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