Jeder Mensch empfindet Schmerz anders. Während die einen ihn nur schwach wahrnehmen, bedeutet er für die anderen eine grosse Einschränkung im täglichen Leben. Was aber steht hinter dem Wort «Schmerz» genau? Und wie kann man ihm aus dem Weg gehen?
Die Menschen nehmen Schmerzen als unangenehme, subjektiv empfundene Sinneserlebnisse wahr. Das Gefühl «etwas tut mir weh» entsteht durch ein Signal, das von einer Krankheit oder einem Trauma an ein Nervenende geschickt wird. Von dort gelangt es über die schmerzleitenden Nervenfasern durch das Rückenmark zum Gehirn. Im Rückenmark kommt es zu einer Reflexverschaltung: Der Schmerz wird noch nicht bewusst wahrgenommen, jedoch reagiert der Mensch bereits, zum Beispiel mit dem Zurückziehen der Hand, noch bevor die Herdplatte als heiss erkannt wurde. Auf dem weiteren Weg Richtung Gehirn können körpereigene Substanzen das Schmerzsignal verstärken oder abschwächen. Im Gehirn angekommen, wird der Schmerz bewusst registriert, bewertet und lokalisiert, zum Beispiel als Verbrennung der Handfläche.
Wird der Schmerz Teil Ihres Alltags, ist der richtige Umgang entscheidend!
Akuter und chronischer Schmerz Wer hat nicht schon einmal Schmerzen verspürt? Eine Schnittwunde, eine Schürfung, eine Geburt oder eine Operation tun unterschiedlich lange und stark weh. Solche Schmerzen bezeichnet der Mediziner als akut und klassifiziert sie nach Intensität und Zeitraum. Mit entsprechenden Medikamenten lassen sich akute Schmerzen gut behandeln. Von einem chronischen Schmerz hingegen spricht der Mediziner, wenn das Sinnesgefühl länger als sechs Monate anhält. Je nach Dauer und Ausmass schränken chronische Schmerzen den (beruflichen) Alltag der Betroffenen empfindlich ein. Oft isolieren sich chronische Schmerzpatienten zunehmend und leiden zusätzlich an Frustrationen sowie Schuldgefühlen. Zuoberst auf der Rangliste chronischer Erkrankungen stehen Rücken- und Kopfschmerzen. Damit solche Beschwerden den Alltag möglichst nicht tangieren, sind ganzheitliche Therapieformen gefragt.
Wenn die Seele um Hilfe ruft Äussern sich bei einem Menschen seelische Belastungen in Form von körperlich spürbarem Schmerz, spricht die Ärztin oder der Arzt von psychosomatischen Schmerzen. Früher hat man solche Patienten mit dem Etikett «Simulanten» versehen. Heute hat sich diese Haltung zum Glück gewendet und Ärztinnen sowie Ärzte betrachten einen Patienten ganzheitlich, das heisst sowohl von der körperlichen als auch von der seelischen Seite. Es mag seltsam erscheinen, aber ein Schmerz kann auch in einem Körperteil wahrgenommen werden, in dem gar keine körperliche Schädigung (mehr) besteht, zum Beispiel in einem amputierten Bein. Diese Empfindung nennt man Phantomschmerz.
Kinder und Schmerzen Neugeborene und Kinder spüren Schmerzen genauso wie Erwachsene – vielleicht sogar noch intensiver! Bis Mitte der 1980-er Jahre haben die Mediziner vermutet, dass das Nervensystem von Neugeborenen nicht genügend entwickelt sei, um Informationen über Schmerzen weiterzugeben. Heute ist man sich indes einig, dass diese Annahme falsch ist: Eine zu frühzeitige Bekanntschaft mit Schmerzen hinterlässt beim Kind eine unauslöschliche Spur, die die Wahrnehmung später empfundener Schmerzen intensivieren kann. Begleiten Sie deshalb Ihr Kind, selbst bei einem kleinen Eingriff!
Mehr Informationen
www.pain.ch: Internetseite der Schweizerischen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes
Mit Schmerzen leben lernen Wird der Schmerz Teil des täglichen Lebens, sollten Betroffene lernen, wie sie damit umgehen. Corinne S.* erzählt, was sie gegen die chronischen Schmerzen unternimmt, die sie seit ihrer Kindheit wegen einer Knorpeldeformation spürt: «Bereits mit 13 Jahren habe ich erfahren, was Schmerzen bedeuten. Ich wurde zum ersten Mal operiert und ich erinnere mich noch genau, wie das Ärzteteam über mein mögliches Schmerzempfinden spekulierte. War ich nicht ihrer Meinung, bezeichneten sie mich als wehleidig oder gar als Simulantin. Ich wurde erwachsen und habe beschlossen, meine Schmerzen in den Griff zu bekommen. Also habe ich einen Physiotherapeuten aufgesucht und mich im Schmerzzentrum meiner Region angemeldet. Warum sollte ich die chronischen Schmerzen akzeptieren, solange eine Möglichkeit besteht, etwas dagegen zu tun? Ich kann nur raten: Blicken Sie dem Schmerz in die Augen, bevor er Ihren Alltag beherrscht! Mit dieser Strategie bin ich seither bestens gefahren.» * Name der Redaktion bekannt.