Kinderkrankheiten

Kinderkrankheiten sind selten geworden. Flächendeckende Impfungen haben sie weitgehend zum Verschwinden gebracht. Dennoch flackern sie immer wieder auf. Zum Glück sind Komplikationen die Ausnahme.








Die meisten Kinderkrankheiten sind Viruserkrankungen. Ob Masern, Windpocken, Röteln, Mumps – immer steckt ein Virus dahinter. Auch die gefürchtete Kinderlähmung (Polyomyelitis) ist eine Virusinfektion, die bei uns heute zum Glück kaum mehr vorkommt. Einzig für Keuchhusten und Scharlach sind Bakterien verantwortlich. Scharlach gilt allerdings nicht als Kinderkrankheit im eigentlichen Sinn, weil Erwachsene erneut daran erkranken können. Als Kinderkrankheiten bezeichnet man Infektionskrankheiten, die sich leicht übertragen, eine sehr hohe Verbreitung in der Bevölkerung haben und in der Regel eine lebenslange Immunität hinterlassen. Die Wahrscheinlichkeit ist also gross, dass man als Kind die Krankheit durchläuft und danach immun dagegen ist.
Heute sorgt bei vielen Kinderkrankheiten die Impfung für eine lebenslange Immunität. Die Kinder erkranken in der Regel nicht mehr oder nur in abgeschwächter Form.

Die ersten Anzeichen von Kinder-
krankheiten sind meist unspezifisch.
 

Fieber und rote Flecken
Für den Laien ist es nicht immer einfach, eine Kinderkrankheit zu erkennen. Oft sind die ersten Krankheitszeichen unspezifisch. Das Kind fiebert und zeigt erkältungs- oder grippeähnliche Symptome. Die für Masern und Röteln typischen Hautausschläge zeigen sich frühestens nach einem Tag und sind auch dann nicht ohne Weiteres unterscheidbar. Die bellenden Hustenattacken, die der Keuchhusten auslöst, entwickeln sich erst nach 7 bis 14 Tagen. Die schmerzhaft geschwollenen Ohrspeicheldrüsen beim Mumps erscheinen ebenfalls erst nach 24 bis 48 Stunden. Einzig die stark juckenden roten Bläschen bei Windpocken verbreiten sich innerhalb weniger Stunden über den ganzen Körper.
Solange keine Komplikationen eintreten, sind Kinderkrankheiten harmlos. Die seltenen Komplikationen können allerdings schwerwiegend sein und zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod führen. Gefürchtet sind zum Beispiel Hirnhautentzündungen bei Masern, Ertaubung bei Mumps und schwere Hustenattacken, die vor allem das Leben von Säuglingen gefährden können.

Symptome behandeln
Bei durch Viren ausgelösten Kinderkrankheiten gibt es keine spezifischen Therapien. Man kann nicht viel mehr tun, als die Kinder ins Bett zu bringen, Symptome wie Fieber, Husten sowie Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen zu lindern und die kleinen Patienten zu trösten. Bei Windpocken müssen die Kinder zudem davor bewahrt werden, dem starken Juckreiz nachzugeben und die Bläschen aufzukratzen, weil sonst Narben zurückbleiben. Dazu dienen juckreizlindernde Tabletten oder Tropfen und Lotionen zum Auftragen. Nachts können Baumwollhandschuhe helfen, dass sich die Kinder nicht im Schlaf kratzen. Bei bakteriellen Erkrankungen wie Scharlach und Keuchhusten kann der Kinderarzt falls nötig Antibiotika verschreiben.


Meistens genügt es, die Symptome zu
behandeln und dem Kind Bettruhe zu gönnen.

Meldesystem für Infektionskrankheiten
Häufige, übertragbare Krankheiten, also auch Kinderkrankheiten, werden im so genannten Sentinella-System erfasst. 150 bis 250 Allgemeinpraktiker, Internisten und Kinderärzte liefern hierzu die Daten. Sie melden Krankheitsfälle aus ihrer Praxis anonym dem Bundesamt für Gesundheit. Aufgrund dieser Angaben ergibt sich ein aktuelles Bild über die Situation in der Schweiz. Die Meldungen werden wöchentlich im Bulletin des Bundesamtes für Gesundheit veröffentlicht:
www.bag.admin.ch/Aktuell/Bulletin/Meldungen Infektionskrankheiten

Empfohlene Impfungen

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, Kinder gegen folgende Krankheiten (nicht nur Kinderkrankheiten) impfen zu lassen: Diphtherie, Tetanus (Starrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), HIB (Hämophylus influenza Serotyp b, Erreger von Hirnhautentzündungen (Meningitis)), Polyomyelitis (Kinderlähmung), Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis B, Varizellen (Windpocken, falls nicht bereits durchgemacht) und neu für Mädchen auch gegen das Humane Papillomavirus, das als Auslöser für Gebärmutterhalskrebs gilt. Diphtherie, Tetanus und Pertussis sowie Masern, Mumps und Röteln werden in der Regel in Dreierkombination verabreicht.
Informationen zum Impfplan und die offiziellen Impfrichtlinien des Bundesamtes für Gesundheit finden Sie unter:
www.bag.admin.ch/Themen/Krankheiten und Medizin/Impf-Information 

Heidi Mühlemann


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